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LIPPISCHE LANDESZEITUNG vom 29.3.2008
ZWEI WELTEN IM EINKLANG
HipHop trifft Klassik bei der zweiten "Kulturnacht in OWL"

"Klassik und HipHop, das sind zwei so unterschiedliche Welten. Wenn die aufeinander prallen, das ist Chaos pur." Fast hilflos zuckt Schneider MC die Schultern. Zusammen mit Fritz Feger hat der Rapper diesen Brückenschlag aber dennoch gewagt. Das Ergebnis ist am Sonntag, 13. April, beim Großevent "Made in OWL" in der Lipperlandhalle zu hören.

Proben für den Brückenschlag: Christian Jung, Julian Buhe, Fritz Feger und Schneider MC (von links) wollen bei der Kulturnacht "Made in OWL" die musikalisch vermeintlich konträren Welten Klassik und HipHop zusammenführen. Das Projekt "Klassik trifft HipHop", bei dem auch die Schlagzeuger Christian Jung und Julian Buhe im Boot sind, passt bestens ins Konzept der Kulturnacht, deren Anliegen es ist, Musik unterschiedlichster Stilrichtungen für einen Abend auf der Bühne zu vereinen. Verbindendes Element: Die Musiker kommen allesamt aus OWL.

Made in OWL

Im Falle des HipHop-Projektes gilt das Prädikat "Made in OWL" sogar für die Musik. Ausgangspunkt waren die Texte von Schneider MC - daran gabs nichts zu drehen. "Einem Rapper fällt nicht im Traum ein, irgendwas anderes zu erzählen als seine eigenen Geschichten." Fritz Feger lacht. Sein Job war es, Ordnung in das Zwei-Welten-Chaos zu bringen, Texte, Rhythmen und HipHop-typisches Beat-Fundament aus Schlagzeug und Bass für ein Zusammenspiel mit einem Sinfonieorchester klassischer Prägung zu arrangieren.

Auf der Suche nach dem richtigen Sound mixte Fritz Feger Black Music ("eine Vorliebe von uns beiden") mit Barock-Anleihen (Anm. Fritz: sowas würde ich niiie tun! Das habe ich niiie gesagt!), die er in Schneider MC's Stücken entdeckte und - natürlich - mit Klassik. "Keine Wiener Klassik, eher Spätromantik - Richard Strauss, Rachmaninow. Und auch 20. Jahrhundert, Minimal Music. Steve Reich, Arvo Pärt, Hindemith", sagt Fritz Feger. Beim Arrangieren ging er zuweilen nach typischer HipHopper-Manier vor. "Die suchen sich raus, was ihnen gefällt, die absoluten Ohrwurm-Takte, die werden dann wiederholt - gelooped -, bis etwas Neues entsteht." Das Ergebnis? "Toll", findet Schneider MC. "Und trotz der unterschiedlichen Musikstile wie aus einem Guss."

Fritz Feger hat schon jede Menge Bühnenmusik geschrieben - "das große Format bei diesem Projekt war aber schon eine ganz neue Erfahrung. Ich habe noch nie was für Orchester geschrieben", sagt er. Ein gewichtiges Projekt - im doppelten Sinne. 1,2 Kilo brachten allein die Einzelstimmen auf die Waage, die er mittlerweile an die Westfälische Kammerphilharmonie geschickt hat, die bei "Made in OWL" den Orchesterpart übernehmen wird. Das Orchester probt bereits, die Hip-Hopper natürlich auch, aber erst am Tag vor der Kulturnacht werden die zwei Welten zum ersten Mal probehalber aufeinandertreffen. Ziemlich aufregend, findet Fritz Feger. Oder wie Schneider MC sagt: "Riesengroßes Kino."

Barbara Luetgebrune

zuletzt aktualisiert am 3.4.2008