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LIPPISCHE LANDESZEITUNG vom 3.2.2005
KOMPONIST FÜR FAHRSTÜHLE

Sauber: Bassist und Sänger Fritz Feger fegt den gefälligen Staub von großen Nummer


In der ihm eigenen Art machte Moderator Doc Schrader den Zuhörern im Kaiserkeller "die Ohren" wässrig: Fritz Feger wird schon was zu bieten haben, wenn er von Wien bis Hamburg als Theatermusiker angesagt ist. Und die folgenden zweieinhalb Stunden sollten das über alle Maßen bestätigen. Bassist und Sänger Fritz Feger unternahm eine Ausgrabung der besonderen Art. Er entdeckte den Jazz bei Burt Bacharach wieder.

Burt Bacharach ist der Komponist für Fahrstühle und Einkaufszentren, der Vater des "Easy Listening". Von wegen. Mit Michael Verhovec am Schlagzeug und Joe Dinkelbach am Klavier, der kurzfristig für Stammspieler Christoph Busse eingesprungen war, ließ Fritz Feger hören, dass Titel wie "Walk on by" oder "The Look of Love" keineswegs zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus wollen, als wäre nichts gewesen. Im Gegenteil, in den Songs stecken für einen, der Lust hat, sich hinein zu knien, harmonisch und rhythmisch spannende Welten, die einen versierten Musiker lustvoll herausfordern.

Um zu zeigen, wie viel musikalisches Leben unter der freundlichen Oberfläche tobt, ist das klassische Jazztrio genau die richtige Besetzung. Im spartanischen Zusammenspiel von Schlagzeug, Bass und Klavier können die musikalischen Feinheiten bei Bacharach mit den größten individuellen Freiheiten der drei Musiker plastisch herausmodelliert werden.

Feger pfeift wie Weiland die Werner

Wenn bei "This Guy's in Love with you" nur der Kontrabass den Drive macht, das Schlagzeug unaufdringlich präzise Akzente setzt und das Klavier mit einer Fülle von Changes (alternative Akkorde) die vorliegende Form mit klugem Gespür auf ihre Möglichkeiten hin abklopft, dann bekommt der Sänger Fritz Feger reichlich Impulse, mit seiner Stimme diese harmonischen Felder am Rande ihrer melodischen Möglichkeiten - zuweilen schier am Abgrund - abzuschreiten.

Mit seinem nasalen Ton macht sich Fegers Gesang dabei nicht selten auf die Suche nach den perkussiven Möglichkeiten eines AI Jarreau. Aber nicht nur das. Pfeifend zeigt er, was Ilse Werner für Möglichkeiten gehabt hätte, wenn sie denn gewollt hätte. Das ist nicht immer sauberst intoniert, aber selbst dann ein Zeichen für die hohe Schule des Jazz, mit der Feger seine Zuh&ohml;rer zu begeistern vermochte. Er ist aber nicht nur ein brillanter Archäologe in Sachen Jazz, sondern auch ein Songschreiber mit originellem Potential, wie er an diesem Abend ebenfalls hörbar bekundete.

Andreas Schwabe
zuletzt aktualisiert am 5.2.2005